Garten R., Küsnacht*
Die Kultur der Wildnis

Einen Garten zu bauen heisst, ein Stück Land einzugrenzen, es in Kultur zu nehmen und somit von der umgebenden kulturlosen Wildnis auszugrenzen. Findet sich drumherum aber nicht das ursprünglich Wilde, sondern höchstens die vorstädtische Gartenwildnis, besteht die Frage, was man ausgrenzt und was der neue Inhalt werden soll.
Reflexion und scheinbarer Widerspruch generieren die Syntax des Gartens. In direkter Nähe der Villa erfahren klassische Elemente des grossbürgerlichen Gartens eine besondere Art der Neuinterpretation. Ein dicht gepflanzter und exakt geschnittener Lindenkubus thematisiert das architektonisch-vegetative Verhältnis zwischen Bäumen und Gebäude. Die Ansammlung besonderer, gärtnerischer Zuchtformen in natürlich wirkenden Bereichen inszeniert führt zu widersprüchlichen Empfindungen. Der Garten als Choreographie der kultivierten Wildnis wird zur ästhetischen Kippfigur. Raumbildende Kulissen und kontinuierliche Raumfolgen in unterschiedlicher Dichte und Transparenz entstehen. Die Konzentration auf das Naheliegende, die innere Weite, wird gefördert. Das Mass der ästhetischen Wahrnehmung ist eine Frage des nennbaren Erkennens einer Ordnung, die wir in der vermeintlichen Wildnis zu sehen vermögen. Botanisches Wissen verleiht der Ordnung Gewicht und macht sie erst lesbar.


Auftraggeber: Privat
Architektur: Meili, Peter Architekten, Zürich
Zeitraum: 1998-2001
Leistungsphasen: Alle Leistungsphasen
Fläche: 3'700 m²

* Projekt von Kienast Vogt Partner

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